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Der Infinitiv

 
 
Formen
mit zu erweiterter Infinitiv
Infinitiv ohne zu

Zur Funktion von Infinitivsätzen als Aufforderungen (z. B. Ausfahrt freihalten!) siehe Aufforderungssatz.


Formen

Der Infinitiv Präsens ist traditionellerweise die Grundform oder die Nennform eines Verbes. Er setzt sich aus dem Verbstamm und der Endung –en oder –n zusammen. Neben dem Infinitiv Präsens gibt es noch weitere Infinitivformen:

Aktiv
Infinitiv Präsens  sagen, rennen    Flexion
Infinitiv Perfekt gesagt haben, gerannt sein   Flexion
Infinitiv Futur I sagen werden, rennen werden   Flexion
Infinitiv Futur II gesagt haben werden, gerannt sein werden   Flexion
 
Vorgangspassiv
Infinitiv Präsens  geöffnet werden
Infinitiv Perfekt geöffnet worden sein
 
Zustandspassiv
Infinitiv Präsens  geöffnet sein
Infinitiv Perfekt geöffnet gewesen sein

Der Infinitiv drückt Person und Numerus nicht aus. Person und Numerus werden implizit durch das Subjekt oder das Objekt des finiten Verbs bestimmt:

Ich nehme mir vor, heute noch wegzufahren.  =  Ich nehme mir vor, dass ich heute noch wegfahre.
Ich hörte ihn die Treppe heraufkommen.  = Ich hörte, wie er die Treppe heraufkommt.


Mit zu erweiterter Infinitiv

Bei Verben:

Der Infinitiv kommt meist nur in Verbindung mit einem finiten Verb vor. Er wird dann mit zu erweitert (Ausnahmen siehe unten).

Es freut mich, Sie hier zu treffen.
Sie schworen, es nie wieder zu tun.
Wir bitten euch, den Brief zur Post zu bringen.
Er bereut, die Tat begangen zu haben.

Der Infinitiv drückt Person und Numerus nicht aus. Person und Numerus werden implizit durch das Subjekt oder das Objekt des finiten Verbs bestimmt:

Ich nehme mir vor, heute noch wegzufahren.  =  Ich nehme mir vor, dass ich heute noch wegfahre.
Es freut mich, sie hier zu treffen.  =  Es freut mich, dass ich Sie hier treffe.
Ich erlaube ihm nach Hause zu gehen.  = Ich erlaube, dass er nach Hause geht

Siehe auch Die Infinitivkonstruktion.

Bei Nomen:

Der Infinitiv kann seltener auch nach Nomen stehen. In den meisten Fällen lässt sich die Verbindung Nomen+Infinitiv auf einen Satz mit einem Verb zurückführen. Bei Nomen steht der Infinitiv immer mit zu.

die Hoffnung, dich bald wiederzusehen  =   (ich) hoffe, dich bald wiederzusehen
das Risiko, viel Geld zu verlieren  =   (man) riskiert, viel Geld zu verlieren
die Schwierigkeit, andere zu verstehen  =   es ist schwierig, andere zu verstehen

Stellung des zu:

Einfacher Infinitiv untrennbare Verben
zu steht direkt vor dem Infinitiv:

Ich bitte dich zu gehen.
Er freut sich, sie hier zu sehen.
das Risiko, einen Unfall zu verursachen

Einfacher Infinitiv trennbare Verben
zu steht zwischen dem Präfix und dem Verbstamm:

Ich bitte dich wegzugehen.
Er freut sich, sie wiederzusehen.
die Schwierigkeit, seine Fehler zuzugeben

Zusammengesetzte Infinitive
zu steht vor dem Infinitiv des Hilfsverbs haben, sein oder werden:

Er bereut es, den Fehler nicht eingestanden zu haben.
Ich bin froh, von Ihnen empfangen worden zu sein.
das Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden



Infinitiv ohne zu

In Verbindungen mit einigen wenigen Verben steht der Infinitiv ohne zu:

Bei den Modalverben dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen; (nicht) brauchen
Die Kinder dürfen hereinkommen.
Bei klarem Wetter kann man die Berge sehen.
Ich mag jetzt nicht mehr darüber reden.
Wir müssen ihn vor Einbruch der Dunkelheit gefunden haben.
Du solltest dir die CD einmal anhören.
Er will nichts trinken.
  
Vor allem umgangsprachlich häufig auch bei (nicht) brauchen:
Er braucht nicht mehr kommen.
Standardsprachlich üblicherweise nur mit zu:
Er braucht nicht mehr zu kommen.

Bei den Empfindungsverben hören, sehen, fühlen, spüren (Akkusativ mit Infinitiv)
Ich höre ihn die Treppe heraufkommen.
Das entsetzte Publikum sah ihn vom Trapez stürzen.
Ich fühlte ihn näher kommen.
Wir spüren die Kraft in uns zunehmen.

Bei heißen, schicken, lassen (Akkusativ mit Infinitiv) sowie bleiben
Er hieß ihn weggehen.
Sie schickt die Kinder schlafen.
Wir ließen einen Handwerker kommen.
Ich bleibe auf diesem Stuhl sitzen.

Bei Bewegungsverben wie gehen, kommen
Er geht immer nachmittags einkaufen.
Sie kommen uns häufig besuchen.

Bei haben, einer Ortsangabe und stehen, liegen, hängen u. a.
Drückt aus, dass jemand oder etwas an einem Ort in gewisser Weise zur Verfügung steht:
Ich habe den Wagen vor der Tür stehen.
Sie hat viel Geld auf der Bank liegen.
Ich habe noch ein schwarzes Kleid im Schrank hängen.
Was hast du denn alles in deiner Tasche stecken?
Ebenfalls:
Er hat seine Mutter bei sich wohnen.

Die teilweise regionalsprachlich übliche Verwendung von zu gilt hier standardsprachlich als falsch:
NICHT: Sie hat viel Geld auf der Bank zu liegen.
NICHT: Er hat seine Mutter bei sich zu wohnen.

Vgl. aber haben, sein + zu + Infinitiv.

In einigen festen Wendungen wie sich schlafen legen, gut reden haben
Wir legen uns früh schlafen.
Sie hat gut reden.
Er hat wieder einen sitzen.

Beim Hilfsverb werden zur Bildung des Futurs:
Wir werden kommen.
Sie wird uns helfen.

Bei lehren, lernen, helfen, wenn der Infinitiv allein folgt
Sie lehrt ihn schreiben.
Er lernte stricken.
Wir helfen euch tragen.

Wenn der Infinitiv erweitert ist, steht er im Allgemeinen mit zu:

Sie lehrt ihn Geschäftsbriefe schreiben/Geschäftsbriefe zu schreiben.
Er lernte, sich nicht gehen zu lassen.
Wir helfen euch den Koffer tragen/den Koffer zu tragen.
Er lernte Geige spielen/Geige zu spielen.

Der erweiterte Infinitiv als Subjekt des Satzes
Wenn der erweiterte Infinitiv Subjekt des Satzes ist, kann er sowohl mit als auch ohne zu stehen:

Dich zu verstehen ist nicht einfach.  auch: Dich verstehen ist nicht einfach.
Mit dem Finger auf Leute zu weisen ist unhöflich.  auch: Mit dem Finger auf Leute weisen ist unhöflich.
Den ganzen Tag zu arbeiten macht hungrig.  auch: Den ganzen Tag arbeiten macht hungrig.







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