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Die Besetzung des Nachfeldes
Die Ausklammerung

 
 
Das Nachfeld ist das Stellungsfeld, das nach der rechten Satzklammer steht (siehe Die Stellungsfelder).

Im Nachfeld stehen also die Satzglieder, die hinter den rechten Teil der Satzklammer gestellt werden können. Da die Satzglieder dann außerhalb der Satzklammer stehen, spricht man auch von Ausklammerung oder Ausrahmung. Das Nachfeld kann in allen drei Stellungstypen (Kernsatz, Stirnsatz, Spannsatz) besetzt sein.

Die Besetzung des Nachfeldes ist nicht obligatorisch. Sie erfolgt vor allem dann, wenn umfangreichere Satzglieder aus dem Mittelfeld „ausgelagert“ werden, um die Verständlichkeit und Übersichtlichkeit des Satzes zu gewährleisten.

Nebensatz im Nachfeld Sie hat ein Buch erhalten, das sie sofort las.
Infinitiv mit zu im Nachfeld Es hat aufgehört zu schneien.
Vergleichsatz mit als oder wie im Nachfeld Er ist gerannt wie ein Verrückter.
Präpositionalgruppe im Nachfeld Was soll man tun in dieser hektischen Zeit?
Apposition im Nachfeld Man hat L.G. verhaftet, den Nachbarn des...
Nicht im Nachfeld


Nebensatz im Nachfeld

Nebensätze werden sehr oft ins Nachfeld gestellt:

Er hat seinem Enkel ein Buch geschenkt,
das der Kleine sofort las.
Wir sind nicht in den Wald gegangen,
weil es so stark regnete.
Die Diebe haben von der Tatsache profitiert,
dass niemand anwesend war.
Gib ihm sofort das Geld zurück,
das du ihm gestohlen hast!

Die Nebensätze können meist auch im Mittelfeld stehen:

Der Großvater hat seinem Enkel ein Buch, das der Kleine sofort las, geschenkt.
Wir sind,
weil es so stark regnete, nicht in den Wald gegangen.
Die Diebe haben von der Tatsache,
dass niemand anwesend war, profitiert.
Gib ihm sofort das Geld,
das du ihm gestohlen hast, zurück.

Die Stellung im Nachfeld wird aber in der Gegenwartssprache vorgezogen, da sie es ermöglicht, die komplexe Satzstruktur übersichtlicher und leichter verständlich zu gestalten. Dies gilt insbesondere für längere, komplexere Nebensätze:

Die Diebe haben von der Tatsache profitiert, dass zu diesem Zeitpunkt keiner der Angestellten des Geschäftes im Ladenraum anwesend war.

Statt:
Die Diebe haben von der Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt keiner der Angestellten des Geschäftes im Ladenraum anwesend war, profitiert.


Infinitiv mit zu im Nachfeld

Infinitivkonstruktionen mit zu stehen meist im Nachfeld:

Es hat soeben angefangen
zu schneien.
Zuerst hatten die Diebe versucht,
über das Dach einzudringen.
Sie sind auf den Zaun geklettert,
um den Umzug besser sehen zu können.
Geht bitte nicht weg,
ohne euch zu verabschieden!

Die Infinitivkonstruktionen können auch im Mittelfeld stehen:

Es hat soeben zu schneien angefangen.
Zuerst hatten die Diebe
über das Dach einzudringen versucht.
Geht bitte nicht
ohne euch zu verabschieden weg!

Die Stellung im Nachfeld kommt aber in der Gegenwartssprache viel häufiger vor, da sie es ermöglicht, die komplexe Satzstruktur übersichtlicher zu gestalten.


Vergleichssatz mit als und wie im Nachfeld

In Vergleichssätzen steht der mit als oder wie eingeleitete Satzteil sehr oft im Nachfeld:

Heute ist der Athlet schneller gerannt
als im gestrigen Rennen.
Wir haben die Aufgabe anders gelöst
als ihr.
...dass er heute gleich schnell gerannt ist
wie im gestrigen Rennen.
Habt ihr die Aufgabe gleich gelöst
wie wir?
Ich kam mir vor
wie ein Idiot.

Die Satzteile stehen seltener auch im Mittelfeld:

Heute ist der Athlet schneller als im gestrigen Rennen gerannt.
Wir haben die Aufgabe anders
als ihr gelöst.
...dass er heute gleich schnell
wie im gestrigen Rennen gerannt ist.
Habt ihr die Aufgabe gleich
wie wir gelöst?
Ich kam mir
wie ein Idiot vor.

Wenn der mit als eingeleitete Satzteil keinen Vergleich, sondern eine Funktion, Eigenschaft usw. ausdrückt, steht er wie eine Präpositionalgruppe nur dann im Nachfeld, wenn der Satz komplex ist. Siehe unten.

Sie hat lange als Lehrerin gearbeitet. NICHT: Sie hat lange gearbeitet als Lehrerin.
Wir haben ihn als aufrichtigen Menschen kennen gelernt. NICHT: Wir haben ihn kennen gelernt als aufrichtigen Menschen.
Aber: Wir haben ihn kennen gelernt als aufrichtigen Menschen, guten Freund, ehrlichen Kollegen, engagierten Gemeindebürger und treusorgenden Familienvater.


Präpositionalgruppe im Nachfeld

Längere und komplexere Präpositionalgruppen stehen oft im Nachfeld:

Die Aufgabe wurde diesmal gelöst
durch eine zehnköpfige, aus Vertretern verschiedener deutscher Universitäten und technischer Hochschulen zusammengesetzte Expertengruppe.
Wir werden auch reden
über vereinsamte Witwen, Arbeitslose, Junkies, ungerechte Richter, Fußballgötter, korrupte Politiker, Narren und Heilige.

Solche Präpositionalgruppen könnten auch im Mittelfeld stehen. Die Stellung im Nachfeld wird aber in der Gegenwartssprache vorgezogen, da sie es ermöglicht, die komplexe Satzstruktur übersichtlicher und leichter verständlich zu gestalten.

Wenn kürzere Präpositionalgruppen im Nachfeld stehen (selten), handelt es sich meist um eine stilistische Ausklammerung, die die Funktion hat, einen Satzteil besonders hervorzuheben:

Warum sollte ich noch reden mit diesem unausstehlichen Menschen!
Niemand kommt mehr zur Ruhe
in dieser hektischen Zeit.

Präpositionalgruppen können nur dann im Nachfeld stehen, wenn sie ein vollständiges Satzglied (Präpositionalobjekt oder Adverbialbestimmung) sind.

NICHT im Nachfeld stehen können Pronominaladverbien, obwohl sie eine Präpositionalgruppe vertreten:

NICHT: Ich möchte nicht reden darüber, wie ich mich fühle. Sondern: Ich möchte nicht darüber reden, wie ich mich fühle.
NICHT: Niemand kann mir helfen dabei. Sondern: Niemand kann mir dabei helfen.


Apposition im Nachfeld

Lockere Appositionen können ebenfalls im Nachfeld stehen:

Der Redner hat auch Helmut Schmidt gewürdigt,
den international bekannten Politiker und in Deutschland immer noch von vielen geschätzten Altbundeskanzler.
Wir wollten die Notre Dame du Haut besuchen, eine Wallfahrtskirche, die vom Architekten Le Corbusier in den Fünfzigerjahren oberhalb des Dorfes Ronchamps erbaut wurde.

Solche komplexeren Appositionen könnten auch im Mittelfeld stehen. Für eine bessere Verständlichkeit des Satzes wird aber meistens die Stellung im Nachfeld gewählt.

Auch kürzere Appositionen stehen gelegentlich im Nachfeld. Es handelt sich meist um eine stilistische Ausklammerung, die die Funktion hat, die Apposition hervorzuheben:

Er ist an Krebs gestorben, dieser heimtückischen Krankheit.


Nicht im Nachfeld

Nicht oder nur sehr selten im Nachfeld stehen unter anderem die folgenden Satzglieder:
  • Subjekt, Akkusativobjekt, Dativobjekt, Genitivobjekt
    NICHT: Gestern ist in der Stadt angekommen ein Zirkus aus Weißrussland.
    NICHT: Der Großvater hat seinem Enkel geschenkt ein Buch, das der Kleine sofort las.
    NICHT: Ihr solltet nicht vertrauen einem Menschen, den ihr gar nicht kennt.
    NICHT: Könnt ihr euch erinnern dieses für alle sehr schwierigen Augenblicks.

  • Prädikativ:
    NICHT: Sie wollte schon immer werden Pilotin bei der Luftwaffe.
    NICHT: Er war erstaunlich lang geblieben kerngesund.

  • Adverbialbestimmungen, die nicht Präpositionalgruppe sind (siehe oben):
    NICHT: Er hat gewohnt irgendwo dort drüben.
    NICHT: Du darfst nicht reden so unanständig.
    NICHT: Er war verschwunden eines schönen Tages.

  • Pronominaladverbien:
    NICHT: Ich möchte nicht reden darüber, wie ich mich fühle.
    NICHT: Niemand kommt mir helfen dabei.

  • Nomen aus Funktionsverbgefügen, auch wenn sie in einer Präpositionalgruppe stehen:
    NICHT: Sie wollte die schwierige Arbeit nehmen in Angriff.
    NICHT: Dadurch hatte er uns alle gebracht in Verlegenheit.

  • Abtönungspartikeln:
    NICHT: Daran lässt sich nichts ändern halt.
    NICHT: Das hättest du nicht tun sollen aber auch.







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