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Das Prädikativ  
 
Prädikative bilden zusammen mit einem Kopulaverb (sein, werden, bleiben u.a.) ein mehrteiliges Prädikat. Sie sind allerdings als besondere Art von Prädikatsteilen zu betrachten (siehe unten).

Nach der Funktion unterscheiden wir zwei Arten von Prädikativen: Prädikative zum Subjekt und Prädikative zum Objekt.

Prädikativ zum Subjekt Sie ist Lehrerin/intelligent.
Prädikativ zum Objekt Sie findet ihn einen Dummkopf/dumm.
  
Teil des Prädikats oder Satzglied? 


Prädikativ zum Subjekt

Das Prädikativ bezieht sich auf das Subjekt des Satzes:

Sie sind müde.
Er ist
Schornsteinfeger.

Prädikative zum Subjekt bilden das Prädikat zusammen mit Kopulaverben wie sein, werden, bleiben u.a. Die folgenden Wortgruppen können Prädikativ zum Subjekt sein:

Nomen oder Nomengruppe im Nominativ
Diese Art von Prädikativen wird auch Gleichsetzungsnominativ oder prädikativer Nominativ genannt.
Er ist Schornsteinfeger.
Diese Hunde
sind wahrscheinlich Promenadenmischungen.
Er
blieb sein Leben lang ihr bester Freund.
Ich
heiße Eugen.

Subjekt und Prädikat haben normalerweise den gleichen Numerus. Ist dies nicht der Fall, steht das Verb im Plural:
Die Kinder sind mein größter Besitz.
Siehe Kongruenz im Numerus.

Adjektiv oder Adjektivgruppe
Die Geschichte ist spannend.
Sein Onkel
wurde immer trauriger.
Du
bleibst hoffentlich gesund.
Der Hund
sah sehr gefährlich aus.

Es handelt sich hier um den prädikativen Gebrauch von Adjektiven. Das Adjektiv ist unflektiert. Siehe Adjektiv, Flexions- und Gebrauchsklassen.

Präposition + Nomen (Präpositionalgruppe)
Dieses Problem ist von großer Bedeutung.
Sie
wurde zu einer vielgefragten Spezialistin.

Diese Präpositionalgruppen werden allerdings oft nicht als Prädikative, sondern als Präpositionalobjekte bezeichnet.

Reflexivpronomen
Das Reflexivpronomen kann ein Prädikativ sein:

Der Sprecher räusperte sich mehrere Male.
Wir
beeilten uns sehr.
Sie
ärgert sich über unsere Verspätung.

Dies gilt nur für die echten reflexiven Verben und die reflexiven Verbvarianten. Bei den reflexiv verwendeten Verben ist das Reflexivpronomen ein Objekt:

Er wäscht sich die Hände (sich = Dativobjekt).
Sie achten gut auf sich (auf sich = Präpositionalobjekt).

Siehe Reflexiv verwendete Verben.

Adverb
Einige Adverbien können prädikativ verwendet werden:

Das Buch ist dort .
Dieses Buch ist
anders als die anderen.

Nebensatz
Nebensätze mit der Funktion eines Prädikativs (Prädikativsätze) werden mit als oder wie eingeleitet:

Er wird immer bleiben, wie er ist.
Diese Wohnung
ist, was ich schon immer suchte.



Prädikativ zum Objekt

Das Prädikativ bezieht sich auf das Objekt des Satzes:

Sie nennt ihn einen Dummkopf.
Wir finden ihn
intelligent.

Prädikative zum Objekt bilden das Prädikat zusammen mit Verben wie nennen, heißen, finden, schelten, halten für u.a. Die folgenden Wortgruppen können Prädikativ zum Objekt sein:

Nomen oder Nomengruppe im Akkusativ
Einige nennen den Grand Canyon das größte natürliche Weltwunder.
Sie
schimpfte/schalt ihn einen Trottel.
Er
hieß sie eine Lügnerin.

Diese Art von Prädikativen wird auch Gleichsetzungsakkusativ oder prädikativer Akkusativ genannt.

Adjektiv oder Adjektivgruppe
Wir finden das Spiel sehr interessant.
Sie
nannte ihn faul.
Ich
halte diesen Einwand für wichtig.

Es handelt sich hier um den prädikativen Gebrauch von Adjektiven. Das Adjektiv ist unflektiert. Siehe Adjektiv, Flexions- und Gebrauchsklassen.

Nebensatz
Nebensätze mit der Funktion eines Prädikativs (Prädikativsätze) werden mit als oder wie eingeleitet:

Wir finden es, wie wir es schon immer gefunden haben (nämlich schlecht).
Sie
nannte ihn, was sie ihn schon lange hätte nennen müssen (nämlich einen Trottel).

Im Passiv wir aus einem Prädikativ zum Objekt ein Prädikativ zum Subjekt
Wir finden ihn faul. => Er wird von uns faul gefunden.
Viele nennen ihn
einen Heiligen. => Er wird von vielen ein Heiliger genannt.


Teil des Prädikats oder Satzglied?

Das Prädikativ wird oft wie hier als ein Teil des Prädikats aufgefasst: Das Prädikativ bildet zusammen mit einem Verb das Prädikat. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die mit den Prädikativen auftretenden Verben wie die Kopulaverben relativ bedeutungsleer sind. Erst zusammen mit dem Prädikativ erhalten Verben wie sein, werden, nennen eine eigentliche Bedeutung.

Prädikative unterscheiden sich aber von anderen Prädikatsteilen in mehrteiligen Prädikaten. Sie können z.B. im Satz (viel freier) verschoben werden**:

Sie ist  Pilotin.
Pilotin  ist sie.

Wir finden das Spiel  interessant.
Interessant  finden  wir das Spiel.

Nach der Methode des Verschiebens und des Ersetzens können Prädikative also auch als Satzglieder bezeichnet werden (siehe Einleitung Satzglieder).

**Ausnahme: Die Reflexivpronomen von echten reflexiven Verben können nicht verschoben werden.







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