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Die Infinitivkonstruktion als Subjekt- und Objektsatz

 
 
Beispiele:

Es freut mich, dir hier zu begegnen.
Ich befürchte,
sie beleidigt zu haben.

Form:

Wenn eine Infinitivkonstruktion Subjektsatz oder Objektsatz ist, ist sie uneingeleitet. Der Infinitiv mit zu steht an letzter Stelle. Abhängig vom Verb kann oder muss der Infinitiv durch Objekte und Adverbialbestimmungen erweitert sein (mehr zur Form der Infinitivkonstruktion, siehe Form, Infinitivkonstruktion).

Bedeutung:

Die Verbindung zwischen einem Hauptsatz und einer uneingeleiteten Infinitivkonstruktion hat keine Bedeutung. Uneingeleitete Infinitivkonstruktionen sind Subjektsätze oder Objektsätze und als solche Inhaltssätze.

Weitere Besonderheiten:

Infinitivkonstruktion abhängig vom Prädikat des Hauptsatzes
Infinitivkonstruktion in der indirekten Rede
Infinitivkonstruktion und dass-Satz
Infinitivkonstruktion mit anderer Funktion


Infinitivkonstruktion abhängig vom Prädikat des Hauptsatzes

Eine Infinitivkonstruktion kann nicht an jeden Hauptsatz angefügt werden. Es hängt vom Verb (Prädikat) des Hauptsatzes ab, ob es möglich oder üblich ist, eine Infinitivkonstruktion anzufügen. Gewisse Verben können mit einer Infinitivkonstruktion stehen, andere nicht. Wie bei den dass-Sätzen kann zum Beispiel eine Infinitivkonstruktion angefügt werden, wenn der Hauptsatz eine Wahrnehmungsäußerung, eine Gefühlsäußerung, ein Ausdruck des Denkens, des Wissens oder des Wollens enthält:

Ich befürchte, sie beleidigt zu haben.
Ich hatte den Eindruck, dort nicht erwünscht zu sein.
Es gefällt mir, mich unter die Leute zu mischen.
Sie erlaubten den Kindern, nach der Schule draußen zu spielen.


Infinitivkonstruktionen können auch von gewissen Nomen abhängig sein. Diese Nomen sind meist von Verben oder Adjektiven abgeleitet:

Die Befürchtung, die Konsulin beleidigt zu haben, ließ ihn schweigen.
Die Gewissheit, unerwünscht zu sein, machte mich ganz unsicher.
Die Kinder hatten die Erlaubnis, nach der Schule draußen zu spielen.


Infinitivkonstruktion in der indirekten Rede

Die Infinitivkonstruktion wird auch in der indirekten Rede verwendet. Die indirekte Rede kann bei gewissen Verben mit einer Infinitivkonstruktion wiedergegeben werden:

Der Angeklagte behauptet, die Tat nicht begangen zu haben.
Sie verprach, nie mehr Ärger zu machen!
Her Berger gibt an, von nichts gewusst zu haben.
Er bat mich, sofort zu ihm zu kommen.


Infinitivkonstruktion und dass-Satz

Infinitivkonstruktionen können oft durch einen dass-Satz ersetzt werden:

Ich befürchte, zu spät gekommen zu sein.
= Ich befürchte,
dass ich zu spät gekommen bin.

Ich habe die Gewissheit, die Aufgabe bewältigen zu können.
= Ich habe die Gewissheit,
dass ich die Aufgabe bewältigen kann.

Infinitivkonstruktion und dass-Satz sind aber nicht immer austauschbar:
  • Infinitivkonstruktionen sind nur dann möglich, wenn das zum Infinitiv gehörende Subjekt mit dem Subjekt oder einem Objekt des übergeordneten Satzes identisch ist:

    Ich befürchte, zu spät gekommen zu sein.
    =
    Ich befürchte, dass ich zu spät gekommen bin.

    Sie hatte den Eindruck, dort nicht erwünscht zu sein.
    =
    Sie hatte den Eindruck, dass sie dort nicht erwünscht war.

    Er behauptet, die Tat nicht begangen zu haben.
    =
    Er behauptet, dass er die Tat nicht begangen habe.

    Übereinstimmung mit einem Akkusativ-, Dativ- oder Präpositionalobjekt:

    Es freut mich, euch hier zu sehen.
    = Es freut
    mich, dass ich euch hier sehe.

    Sie erlaubten den Kindern draußen zu spielen.
    = Sie erlaubten
    den Kindern, dass sie (die Kinder) draußen spielen.

    Er verlangte von ihr, in die Scheidung einzuwilligen.
    = Er verlangte von
    ihr, dass sie in die Scheidung einwillige.

    Steht im Hauptsatz ein unpersönliches Subjekt und kein Dativ- oder Akkusativobjekt, ist das zum Infinitiv gehörige Subjekt das unpersönliche man:

    Bei gutem Wetter ist es möglich, von hier aus die Berge zu sehen.
    = Bei gutem Wetter ist
    es möglich, dass man von hier aus die Berge sieht.

  • Nicht alle Verben (Prädikate) können sowohl mit einem dass-Satz als auch mit einer Infinitivkonstruktion kombiniert werden. Beispiel sich weigern:

    Er weigert sich, den Vertrag zu unterschreiben.
    NICHT: Er weigert sich, dass er den Vertrag unterschreibt.

  • Nach gewissen Hauptsätzen kann die Infinitivkonstruktion nicht durch einen dass-Satz, sondern nur durch einen Nebensatz mit wenn ersetzt werden:

    Es würde mich freuen, euch dort zu treffen.
    NICHT: Es würde mich freuen, dass ich euch dort treffe.
    Sondern: Es würde mich freuen, wenn ich euch dort treffen würde.

    Es ist unhöflich, mit vollem Mund zu reden.
    NICHT: Es ist unhöflich, dass man mit vollem Mund redet.
    Sondern: Es ist unhöflich, wenn man mit vollem Mund redet.

    In diesen Fällen ist die Infinitivkonstruktion mit dem Bedingungssatz verwandt.

Infinitivkonstruktion mit anderer Funktion

Wenn Infinitivkonstruktionen durch einen Nebensatz mit wenn ersetzt werden können, sind sie mit den Bedingungsätzen verwandt (siehe oben):

Es würde mich freuen, euch dort zu treffen.
= Es würde mich freuen, wenn ich euch dort treffen würde.

Mit (an)statt...zu, ohne...zu oder um...zu eingeleitete Infinitivkonstruktionen sind Adverbialsätze:

Sie spielten draußen, anstatt die Hausaufgaben zu machen.

Siehe Der Adverbialsatz.







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