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Der Temporalsatz

 
 
Beispiele:

Ihr Hamster ist gestorben, als sie in den Ferien waren.
Wir warten hier,
bis es aufhört zu regnen.

Form:

Ein Temporalsatz ist ein eingeleiteter Nebensatz. Einleitewort ist eine temporale Konjunktion.

Bedeutung:

Temporalsätze sind Adverbialsätze, die angeben, wann sich das Geschehen im Hauptsatz vollzieht. Dabei kann zwischen Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit und Nachzeitigkeit unterschieden werden.

Gleichzeitigkeit  während, indem, indes, indessen
solange
seit, seitdem
wenn, sobald, sowie
als, wie
wenn, sooft
Vorzeitigkeit nachdem, wenn
nachdem, als
sobald, sowie
kaum dass, kaum
wenn
seit, seitdem
Nachzeitigkeit bevor, ehe
bis
bevor/ehe... nicht
bis...nicht

Zur Wahl der Zeitformen (Tempora) in Haupt- und Nebensatz, siehe:

Die Folge der Zeiten (Consecutio Temporum)


Gleichzeitigkeit

Das Geschehen im Hauptsatz und im Nebensatz verläuft gleichzeitig. Dabei können verschiedene Fälle unterschieden werden:

Gleiche Zeitdauer: während, (indem, indes, indessen)
Das Geschehen im Nebensatz gibt den Zeitrahmen an, innerhalb dessen das Geschehen im Hauptsatz verläuft:

Während die Eltern in den Ferien sind, bleiben die Kinder bei den Großeltern.
Das Haus ist abgebrannt,
während sie im Kino waren.

Die eher resp. nur im gehobenen Sprachgebrauch üblichen Konjunktionen indem, indessen und indes haben die gleiche Bedeutung.

Korrelat: ungebräuchlich

Gleiche Zeitdauer, gleicher (Anfangs- und) Endpunkt: solange
Das Geschehen im Nebensatz verläuft in der gleichen Zeitdauer wie das Geschehen im Hauptsatz. Dabei wird angegeben, dass der Anfangs- und vor allem der Endpunkt gleich sind:

Solange die Kinder klein sind, sollten sie keine Gewaltfilme sehen.
Du kannst bleiben,
solange du willst.

Korrelat: fakultativ solange
Du kannst (solange) bleiben, solange du willst.

Gleiche Zeitdauer, gleicher Anfangspunkt: seit, seitdem
Das Geschehen im Nebensatz verläuft in der gleichen Zeitdauer wie das Geschehen im Hauptsatz, wobei beide Geschehen den gleichen Anfangspunkt haben:

Er ist viel ausgeglichener, seit/seitdem er nicht mehr trinkt.
Seit/seitdem wir in der Stadt wohnen, gehen wir oft ins Kino.

Korrelat: fakultativ seitdem:
Seit/seitdem wir in der Stadt wohnen, (seitdem) gehen wir oft ins Kino.

Gleicher Zeitpunkt, Gegenwart und Zukunft: wenn, sobald, sowie
Das Geschehen im Hauptsatz und das Geschehen im Nebensatz verlaufen zum gleichen Zeitpunkt in der Gegenwart oder der Zukunft:

Wir werden euch besuchen, wenn die Ferien zu Ende sind.
Wenn du fertig bist, darfst du gehen.

Korrelat: fakultativ dann
Wir werden euch (dann) besuchen, wenn die Ferien zu Ende sind.

Die Konjunktionen sobald und sowie können ebenfalls wie wenn verwendet werden:

Wir werden euch besuchen, sobald/sowie die Ferien zu Ende sind.
Sobald/sowie du fertig bist, darfst du gehen.

Gleicher Zeitpunkt, Vergangenheit: als (wie)
Das Geschehen im Hauptsatz und das Geschehen im Nebensatz verlaufen zum gleichen Zeitpunkt in der Vergangenheit:

Wir besuchten euch, als ihr in den Ferien wart.
Als ich das Haus betrat, hörte ich einen Schuss.

Korrelat: fakultativ damals, wenn Nebensatz nachgestellt; fakultativ da, wenn Nebensatz vorangestellt:
Wir besuchten euch (damals), als ihr in den Ferien wart.
Als ich das Haus betrat, (da) hörte ich einen Schuss.

In Verbindung mit dem Präsens (historisches Präsens) kann neben als auch wie verwendet werden:
Als ich das Haus betrete, (da) höre ich einen Schuss.
Wie ich das Haus betrete, (da) höre ich einen Schuss.

(Sonst gilt die Verwendung von wie hier als umgangssprachlich:
Wie ich das Haus betrat, hörte ich einen Schuss.)

Gleiche Zeit, wiederholt: sooft, wenn
Das Geschehen im Hauptsatz und das Geschehen im Nebensatz verlaufen gleichzeitig und wiederholt:

Ich besuche meine Großmutter, sooft ich in Leipzig bin.
Wenn er seine kleine Nichte sah, freute er sich.

Korrelat: fakultativ (dann) immer, (dann) jedes Mal:
Ich besuche meine Großmutter (jedes Mal/immer), sooft ich in Leipzig bin.
Wenn er seine kleine Nichte sah, (dann) freute er sich (jedes Mal/immer).


Vorzeitigkeit

Das Geschehen im Nebensatz verläuft zeitlich vor dem Geschehen im Hauptsatz. Dabei können verschiedene Fälle unterschieden werden:

vorzeitiges Geschehen in der Gegenwart oder Zukunft: nachdem, wenn
Das Geschehen im Nebensatz ist in der Gegenwart oder der Zukunft und verläuft vor dem Geschehen im Hauptsatz:

Nachdem/wenn wir die Arbeit erledigt haben, gehen wir nach Hause.
Sie dürfen erst draußen spielen,
nachdem/wenn sie die Hausaufgaben gemacht haben.

Korrelat bei nachdem: ungebräuchlich

Korrelat bei wenn: fakultativ dann:
Sie dürfen erst (dann) draußen spielen, wenn sie die Hausaufgaben gemacht haben.

vorzeitiges Geschehen in der Vergangenheit: nachdem, als
Das Geschehen im Nebensatz ist in der Vergangenheit und verläuft vor dem Geschehen im Hauptsatz:

Nachdem/als wir die Arbeit erledigt hatten, gingen wir nach Hause.
Sie durften erst draußen spielen,
nachdem/als sie die Hausaufgaben gemacht hatten.

Korrelat bei nachdem: ungebräuchlich

Korrelat bei als: fakultativ dann, wenn Nebensatz nachgestellt; fakultativ da, wenn Nebensatz vorangestellt:
Sie durften erst (dann) draußen spielen, als sie die Hausaufgaben gemacht hatten.
Als sie die Hausaufgaben gemacht hatten, (da) durften sie draußen spielen.

unmittelbare Abfolge: sobald, sowie
Das Geschehen im Nebensatz verläuft unmittelbar vor dem Geschehen des Hauptsatzes:

Sobald/sowie er die Arbeit fertiggestellt hatte, ging er nach Hause.
Wir werden euch besuchen,
sobald/sowie wir in Linz angekommen sind.

Korrelat: fakultativ da oder dann, wenn Nebensatz vorangestellt, unüblich, wenn Nebensatz nachgestellt.
Sobald/sowie er die Arbeit fertiggestellt hatte, (da) ging er nach Hause.
Sobald/sowie wir in Linz angekommen sind, (dann) werden wir euch besuchen.

unmittelbare Abfolge: kaum dass, kaum
Das Geschehen im Nebensatz verläuft unmittelbar vor dem Geschehen des Hauptsatzes. Die Konjunktionalfügung kaum dass kann durch ein Komma getrennt werden:

Kaum(,) dass die zweite Halbzeit begonnen hatte, erzielte sie das 2:1.
Kaum(,) dass das Essen auf dem Tisch steht, stürzt er sich auf den Teller.

Korrelat: fakultativ da oder so:

Kaum(,) dass die zweite Halbzeit begonnen hatte, (da) erzielte sie das 2:1.
Kaum(,) dass das Essen auf dem Tisch steht, (so) stürzt er sich auf den Teller.

Heute häufiger nur das Adverb kaum ohne dass. Der Temporalsatz hat dann die Wortstellung eines Hautpsatzes:

Kaum hatte die zweite Halbzeit begonnen, (da) erzielte sie das 2:1.
Kaum steht das Essen auf dem Tisch, (so) stürzt er sich auf den Teller.

wiederholtes vorzeitiges Geschehen: wenn
Das Geschehen im Nebensatz verläuft vor dem Geschehen im Hauptsatz. Beide Geschehen sind mehrfach wiederholt:

Wenn wir die Arbeit beendet hatten, gingen wir in die Kneipe.
Er ist betrunken,
wenn er in der Kneipe gewesen ist.

Korrelat: fakultativ (dann) immer, (dann) jedes Mal:
Wenn wir die Arbeit beendet hatten, (dann) gingen wir (immer/jedes Mal) in die Kneipe.
Er ist
(immer/jedes Mal) betrunken, wenn er in der Kneipe gewesen ist.

vorzeitiges Geschehen als Anfangspunkt einer Zeitdauer: seit, seitdem
Das Geschehen im Nebensatz markiert den Anfangspunkt des andauernden Geschehens im Hauptsatz.

Seit/seitdem sie ihre Tochter verloren haben, leben sie sehr zurückgezogen.
Sie gingen häufig ins Kino,
seit/seitdem sie in die Stadt gezogen waren.

Korrelat: fakultativ seitdem:
Seit/seitdem sie ihre Tochter verloren haben, (seitdem) leben sie sehr zurückgezogen.


Nachzeitigkeit

Das Geschehen im Nebensatz verläuft zeitlich nach dem Geschehen im Hauptsatz. Dabei können verschiedene Fälle unterschieden werden:

Abfolge von Geschehen: bevor, ehe
Das Geschehen Nebensatzes geht dem Geschehen des Hauptsatzes voraus:

Lesen Sie die Gebrauchsanweisung, bevor/ehe Sie das Gerät benutzen.
Bevor/ehe es den Menschen gab, war die Natur im Gleichgewicht.

Korrelat: ungebräuchlich

Geschehen als Endpunkt einer Zeitdauer: bis
Das Geschehen im Nebensatz markiert den Endpunkt eines andauernden Geschehens im Hauptsatz:

Du musst warten, bis die Farbe trocken ist.
Bis der Krieg anfing, war seine Kindheit glücklich.

Korrelat: fakultativ solange:
Du musst (solange) warten, bis die Farbe trocken ist.

verneint mit konditionaler Bedeutung: bevor, ehe, bis (nicht)
Verneinte Satzgefüge mit bevor und ehe haben oft eine konditionale Bedeutung. Der Nebensatz gibt eine Bedingung an, die erfüllt sein muss. Dabei muss der Hauptsatz verneint sein. Der Nebensatz kann ohne Bedeutungsunterschied mit oder ohne nicht stehen:

Ich bezahle nichts, bevor ich (nicht) eine detaillierte Abrechnung erhalte.
Bevor ich (nicht) eine detaillierte Abrechnung erhalte, bezahle ich nicht.
Ehe ich (nicht) mit allen Parteien gesprochen habe, treffe ich keine Entscheidungen.

Bei verneintem Hauptsatz kann auch ein Temporalsatz mit bis eine Bedingung ausdrücken. Auch hier kann der Nebensatz ohne Bedeutungsunterschied mit oder ohne nicht stehen:

Ich bezahle nicht, bis ich (nicht) eine detaillierte Abrechnung erhalte.
Bis ich (nicht) eine detaillierte Abrechnung erhalte, bezahle ich nicht.

Die Verwendung dieses nicht im Nebensatz wird von einigen als umgangssprachlich oder falsch angesehen. Sie erklärt sich aus der speziellen konditionalen Bedeutung solange nicht, wenn nicht dieser Konjunktionen und sollte wenigsten toleriert werden. In einigen Fällen kann das nicht nämlich kaum weggelassen werden, ohne dass ein zumindest ungewöhnlich klingender Satz entsteht:

Du erhältst kein Geld, bevor/ehe du nicht sagst, was du damit machen willst.
Du erhältst kein Geld,
bevor/ehe du sagst, was du damit machen willst. ???







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